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Geschichte des privaten Films

von Dr. Andreas Garitz, Rekord Café Augsburg

Im Laufe des 19. Jahrhunderts, insbesondere im wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeit, finden immer mehr Menschen Zugang zu wirtschaftlichem Wohlstand und gesellschaftlicher Anerkennung.

In der Folge wird der Geschichte des Privaten immer mehr Bedeutung zugemessen. Was vorher auf adelige Kreise beschränkt war findet nun breite Nachahmung im wachsenden bürgerlichen Umfeld: Der Einzelne beginnt, sich und den Kreis seiner Familie zu dokumentieren.

Neu erfundene Medien wie die Fotografie (ab 1834) und die Filmtechnik (ab den 1890er Jahren) unterstützen diese Entwicklung maßgeblich. Sie sind nicht nur Mittel einer neuen Kunstform, sondern etablieren auch eine ganz neue Kultur des privaten Erinnerns.

Die Geschichte des privaten Filmens begann in den 20er Jahren. Wirklich populär und für weite Kreise erschwinglich wurden Kameras und Projektoren aber erst gegen Ende der 30er Jahre, als das 8mm-Format seinen Siegeszug antrat. Privates Fotografieren und Filmen war in der Regel allerdings eine teure Angelegenheit. Noch in den späten 70er Jahren, also in der Blütezeit des Super-8-Films, kostete ein einfacher 3-Minuten-Film um die 10 Mark. Dementsprechend blieben die Inhalte der Filme auf die wichtigsten Dinge beschränkt: die private Familienfeier wie die Kommunion und die Hochzeit, die Dokumentation der Kinder vom Laufgitter bis in die Schule, der erste Italienurlaub oder der Sonntagsausflug in den Zoo.

In der Regel kaufte der Kunde kleine 3-Minuten-Filme, die dann später an der Klebepresse mit Filmkitt oder aber mit Klebestreifen zusammengeklebt und auf größere Rollen montiert wurden. Wollte man einen wirklichen Filmschnitt nach künstlerischen Gesichtspunkten bewerkstelligen, so bleib nur die Möglichkeit, mit viel Geduld einzelne Filmstreifen auszuschneiden und neu zusammenzufügen.

Während es Farbfilme bereits in den 30er Jahren gab, blieb die Ausstattung des Privatfilms mit Tonspuren bis in die 70er Jahre eher eine Ausnahme. Gängig war es ab den 1960er Jahren, dass separate Tongeräte wie Tonbänder oder später auch Kassettenrekorder synchron zu den Filmen abgespielt wurden, oder dass die Magnettonspuren des Filmmaterials mittels Überspielkabeln und Mikrophonen nachvertont wurden. Direkttonkameras, die authentischen Ton aufzeichnen konnten, gab es erst zu Beginn der 70er Jahre.

Den Höhepunkt seiner Verbreitung erlebte der Super-8-Film um das Jahr 1979. Fast zeitgleich löste dann seit Anfang der 80er Jahre das aufkommende Videoformat den belichteten Negativfilm ab. Obwohl die Qualität des Videosystems wesentlich schlechter war als die seiner Vorgänger, hatte es auch Vorteile, die bei den Verbrauchern zu Buche schlugen: Das Filmmaterial war billiger und erlaubte deutlich längere Aufnahmezeiten.

Mit dem Videozeitalter brach auch das Zeitalter der Format-Flut an. Nach Beta, Video 2000, VHS und Super VHS kamen schließlich noch Hi 8, Video 8 bzw. Digital 8 und später DV und Mini DV auf den Markt, um nur die gängigsten Systeme zu nennen. Teuer gekaufte Geräte waren nach wenigen Jahren bereits technisch überholt und ihr Geld nicht mehr wert. Eine Ende des Format-Wirrwarrs ist indes auch heute nicht in Sicht. Es ist nicht gewiss, welche Bedeutung z.B. der Blue-Ray-Disk und den brandneuen HDTV-Systemen wirklich zukommen werden bzw. welche neuen Ideen sie schon bald wieder ablösen könnten.